Weniger Durchgangsverkehr soll Zitterpartien vermeiden

Ohne Wegweiser weniger Verkehr. Mit diesen vier Worten lässt sich zusammenfassen, was der Borsdorfer Gemeinderat am 15.  Februar 2017 in Sachen Ortsverbindungsstraße zwischen Panitzsch und der Dreiecksiedlung beschlossen hat.

Um es etwas verständlicher darzustellen: Über die Gemeindestraße zwischen Panitzsch und Dreiecksiedlung wird seit vielen Monaten diskutiert; im Gemeinderat stand das Thema im Juli 2016 auf der Tagesordnung. Näheres dazu gibt es hier.  https://parthengezwitscher.de/hintergrund-was-hat-es-mit-dem-radweg-zwischen-dreiecksiedlung-und-panitzsch-auf-sich/

Stein des Anstoßes ist die Brücke über die neue B6 samt ihrer Zufahrten. Die kurvige Strecke ist nicht komplett einsehbar und mit einer Breite von 5,5 m im Brückenbereich nichts für ängstliche Gemüter, denn bei der Begegnung zweier Pkw geht es durchaus eng zu. Für Radfahrer und Fußgänger gerät die Strecke schnell zur Zitterpartie, denn ihnen mangelt es an einem separaten Weg. Und längst nicht alle Autos fahren mit angemessener Geschwindigkeit …

Gemeinderätin Margitta Moritz hatte das Thema über die Monate hinweg am Kochen gehalten und eine Reihe von Vorschlägen gemacht, zu denen u.a. der Neubau eines Radwegs, eine Fahrradstraße und eine Einbahnstraßenlösung zählten. Im Ergebnis einer Verkehrsschau mit Vertretern von Polizei und Gemeinde wurde eine geänderte Beschilderung an der Zufahrt von der alten B6 zur Dreiecksiedlung angeregt. An den Vorwegweisern sollte der Hinweis auf Panitzsch verschwinden, außerdem die Wegweiser direkt im Kreuzungsbereich abgebaut werden, um den Durchgangsverkehr zu verringern. Jüngste Variante war eine beiderseitige Fahrbahnmarkierung, die einen gesonderten Bereich für Fußgänger und Radfahrer kennzeichnet (zu sehen z.B. in Sommerfeld).

Bei der Vorberatung des Themas in den Ausschüssen stand Polizeihauptkommissar Heiko Stein den Abgeordneten als Sachverständiger Rede und Antwort. Laut Polizeistatistik habe es in den vergangenen zehn Jahren im fraglichen Bereich keine Unfälle gegeben, machte er deutlich und empfahl, am besten gar nichts zu ändern. Eine Fahrradstraße sei nicht genehmigungsfähig, die Spurmarkierung denkbar. Letzten Endes favorisierte die Mehrheit der Abgeordneten die Verringerung des Durchgangsverkehrs mittels geänderter bzw. entfernter Wegweiser.

Im Gemeinderat sorgte das Thema für gut gefüllte Sitzreihen, denn zahlreiche Bewohner der Dreiecksiedlung waren zur Sitzung gekommen. Bürgermeister Ludwig Martin gab einige Erläuterungen zur Sachlage, sprach von einem „heißen Thema“ und bezifferte die Kosten für die Fahrbahnmarkierung auf rund 50.000 Euro. Er wies darauf hin, dass in anderen Gemeindestraßen Veränderungen weitaus dringender sind, so z.B.  angesichts fehlender Radwege entlang der alten B6, in der Taucher Straße usw.

Margitta Moritz trug ihr Anliegen leidenschaftlich vor, musste sich bei ihren Ausführungen aber einige inhaltliche Korrekturen gefallen lassen. Mit ihrem Antrag für „Tempo 20“ scheiterte sie ebenso wie Karsten Fuhrig, der das Thema erneut in den Ausschüssen beraten wollte. Angela Neubert warb dafür, den Beschluss in der vorliegenden Form zu fassen, um einen ersten Schritt zu machen, statt wieder Zeit ins Land gehen zu lassen. Im Nachgang sei es immer noch möglich, z.B. über eine Geschwindigkeitsbeschränkung nachzudenken.

Bei der Abstimmung erhielt die Vorlage neun Ja- und fünf Nein-Stimmen. Nach der Sitzung diskutierten mehrere Bewohner der Dreiecksiedlung noch eingehend mit den Gemeinderäten. Prof. Arne Rodloff zeigte sich überrascht vom dabei erlebten Sinneswandel. „Einige Gesprächspartner räumten ein, dass sie bisher offensichtlich nur sehr einseitige Informationen erhalten hatten und vieles von dem, was bei der öffentlichen Beratung zur Sprache kam, nicht wussten. “   -ad

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