Rot statt Grün(fläche): Am Panitzscher Löschteich entsteht das künftige Feuerwehrzentrum von Borsdorf

Die schlechte Nachricht: Der nach dem Abriss des leerstehenden Gebäudes im alten Panitzscher Dorfkern geplante Begegnungsplatz ist kein Thema mehr, statt dessen soll das bisherige Panitzscher Feuerwehrgerätehaus modernisiert und deutlich erweitert werden. Das gesamte Bauvorhaben soll bis Oktober 2019 abgeschlossen sein. Ab November 2019 ziehen die Ortswehren von Borsdorf und Zweenfurth an den dann zentralen Standort Panitzsch um. Die Kosten für das Vorhaben werden nach derzeitigen Schätzungen auf 6,3 Mio. Euro geschätzt. Und nun die gute Nachricht: Der Freistaat Sachsen wird die Feuerwehrfusion zu 80 Prozent fördern. Die restlichen 20 Prozent muss die Gemeinde Borsdorf lediglich zwischenfinanzieren. Ein privater Investor, der einen Teil der freien Fläche nutzen will, übernimmt die nach der Förderung verbleibenden knapp 1,3 Mio. Euro. Allerdings birgt dessen geplante Investition durchaus Konfliktpotenzial.

Dass dieses Vorhaben so plötzlich in Gang kommt, ist kein Zufall. Schon im August 2011 (!) hatte Bürgermeister Ludwig Martin das Projekt “Feuerwehrfusion” dem damaligen sächsischen Innenminister präsentiert und auf jährliche Einsparungen von mindestens 100.00 Euro hingewiesen (s. Ausschnitt aus dem “Borsdorfer Amtsblatt” vom September 2011). Als Standort war das Gewerbegebiet Panitzsch (hinter Rewe) im Gespräch. Markus Ulbig war von der Borsdorfer Offensive angetan und sagte Unterstützung zu. Wie so oft, kam dann aus Dresden nichts mehr. Außerdem hätten seinerzeit bei einer Umnutzung der Gerätehäuser in Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth Fördermittel zurückgezahlt werden müssen.

Im “Borsdorfer Amtsblatt” wurde der Plan einer Feuerwehrfusion 2011 erstmals öffentlich gemacht.

Doch Dank einer Fördermittelzusage über reichlich 5 Mio. Euro ist neue Bewegung in das auf Eis gelegte Projekt gekommen. Wie parthengezwitscher.de im Sächsischen Staatsministerium des Inneren erfuhr, seien nach der Übernahme des Ministeriums durch Staatsminister Prof. Dr. Roland Wöller umfangreiche, von seinem Amtsvorgänger  Ulbig lt. Behördensprache “ruhend gestellte” Aktenbestände  reaktiviert worden. Darunter habe sich auch die Borsdorfer Feuerwehrfusion befunden, die nun als Pilotprojekt mit Beispielcharakter für andere Kommunen im Freistaat vorangetrieben werden soll. Ende März 2018 wurde am künftigen Neubaustandort der symbolische Spatenstich vollzogen, damit der Baustart noch ins I. Quartal fällt und somit die kompletten Fördermittel für 2018 fließen. Zuvor hatte das Landratsamt dem “förderunschädlichen vorfristigen Maßnahmebeginn” sein Einvernehmen erteilt.

Für Gemeindewehrleiter Frank Seidel, der beim 1. Spatenstich selbst mit anpackte, ist die Feuerwehrfusion ein lange gehegtes Vorhaben, das er von seinem Amtsvorgänger “geerbt” hatte. “Natürlich sind die Wehren unserer drei Ortsteile ein Stück dörfliche Identität, aber wir müssen diesen Schritt gehen, um diese kommunale Pflichtaufgabe langfristig abzusichern. Schon jetzt rücken wir zu Einsätzen meist im Gemeindewehrverband mit allen drei Wehren aus, um die notwendige Personalstärke zu erreichen.” Die Konzentration am künftigen Standort biete zudem die Chance, die Technik effektiver als bisher zu nutzen.

Bei der Übung 2017 lernten die Floriansjünger aus Borsdorf und Zweenfurth den künftigen Standort intensiv kennen – allerdings noch bebaut.  Fotos: André Dreilich

Apropos Standort: Da im Panitzscher Gewerbegebiet keine passenden Flächen mehr verfügbar sind, musste ein geeigneter Platz für das zentrale Feuerwehrgerätehaus gefunden werden. “Am Standort Panitzsch haben wir im vergangenen Jahr unsere Übung durchgeführt, dass diese kommunale Fläche nun unbebaut ist, dürfte ein seltener Glücksfall sein”, betont Frank Seidel.  Ein weiterer Glücksfall ist die Ausweisung des Panitzscher Dorfkerns im Flächennutzungsplan als Mischgebiet  (Karte öffnet sich in Borsdorf, beim Nachuntenziehen kommt man nach Panitzsch). Die “Sondernutzung Feuerwehr” ist dort bereits vermerkt (“F”). Noch wichtiger: Der o.g. private Investor beabsichtigt, neben dem Wehrgebäude eine (im Mischgebiet lt.  § 6 Abs. 2 Nr. 7 BauNVO) zulässige) Total-Tankstelle mit Waschanlage und Minishop zu errichten.

Die Pläne für das anspruchsvolle Vorhaben werden derzeit durch ein ortsansässiges Planungsbüro erarbeitet bzw. an den neuen Standort angepasst. Für den 17. April ist zum Thema “Feuerwehrzentrum” eine Informationsveranstaltung in der Aula der Dr.-Margarete-Blank-Grundschule in Panitzsch geplant.   -ad

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