Richter Christian Mauruff schrieb 1753 einen Brief an die Obrigkeit

Wenn heute oft und auch gern über die deutsche Sprache und insbesondere die ungeliebte Rechtschreibreform diskutiert wird, ist ein Blick in alte Korrespondenzen oft hilfreich, um notwendige Regelungen besser verstehen zu können. Die Veränderungen unserer Sprache in Ausdruck und Schreibweise haben sich über Jahrhunderte teils gravierend vollzogen.
Christian Mauruff, Richter von Zweenfurth, schrieb im Jahr 1753 einen Brief an die Obrigkeit von Zweenfurth, die Universität Leipzig, in dem er Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von Gemeindegeldern und die Vernachlässigung der Pflege von Entwässerungsgräben durch seine Nachbarn bemängelte. Dieser Brief des Richters Mauruff gibt uns einen interessanten Einblick in die Rechtschreibung. Einige Passagen des erwähnten Briefes sollen dies verdeutlichen:
„Die Zweenfurther gemintte die hatt einen gemeinen Anger auff diesen Machen wir jährlich Ein Mahl Heuy und wirtt sonsten in Rechten nach von der gemeintte vorkaufft, wier haben Anno 1750 und 1751 und 1752 und 1753 daß heuy graß grummet vorkaufft dass Erste Jahr 1750 haben wier dass Heuy vorkaufft vor 35 Thlr.- 1751 haben wier dass heuy vorkaufft vor 30 Thlr. Und dass grummet auff den Herbst vor 17 Thlr. Die zwey Jahr zusammen Machen 82 Thlr. Und hernach 1752 haben Es Meine Nachbar vorkauft, da bin ich Nicht darbey gewesen, ich vor mutte vor 24 Thlr. Und 1753 haben sie Es weitter vorkaufft vor 30 Thlr. Dass macht zusam 54 Thlr. Die Summa zusam wirtt 136 Thlr.
Daß haben die Cintiecie der Christian Lochmann und der Johann Christian Staub zu sich genommen und die gemeintte kann Nicht wissen, wo sie Es haben hin gethan.”
Zum Ende des Schreibens geht es um die Räumung der Entwässerungsgräben, die durch die Nachbarn nicht ordentlich erfolgt sei:
„So wollte ich Meynne Hohe liebe und getreuye Obrigkeytt bitten, dass die Nachbar bey umfrage 5 gr. busse wer nicht wollte Miett hinauß gehen und die graben besehen weil sie Nach der zeitt aus den Amtte besehen wertten. Die Ursache ist dieße die weil der graben dass Wasser von der köniklichen Bost Straße muß abführen.”
Falls dieser Text doch etwas zu schwierig zu lesen und zu verstehen ist, soll die Übertragung des Briefes in unsere gegenwärtige Sprachform Erleichterung schaffen.
Die Zweenfurther Gemeinde hat einen gemeinsamen Anger (der heutige Schmiedeplatz?), auf dem sie einmal jährlich Heu macht. Gemäß dem Dorfrecht verkaufen sie es und haben im Jahr 1750 und 1751 und 1753 das Heu, Gras und Grummet verkauft. Im ersten Jahr erzielten sie dafür 35 Taler, 1751 bekamen sie 30 Taler und im Herbst verkauften sie das Grummet für 17 Taler. In diesen beiden Jahren erlösten sie aus dem Verkauf also 82 Taler. Im Jahr 1752 verkauften es die Bauern allein, d. h. ohne den Richter, er war abwesend. Nach Einschätzung des Richters Mauruff erbrachte der Verkauf 24 Taler und im Jahr 1753 30 Taler. Die Gesamtsumme über die Jahre 1750 bis 1753 ergaben also 136 Taler. Diesen beträchtlichen Betrag nahmen die Syndici (Bearbeiter von Rechtsangelegenheiten) von Zweenfurth, Christian Lochmann und Johann Christian Staub, an sich und niemand wusste, wo er geblieben war.
Der Richter bat nun die hohe, liebe und getreue Obrigkeit, ob sie nicht so gut sein wollte, die Syndici aufzufordern, eine gerichtliche Spezifikation der Einnahmen bereit zustellen, um nachzuweisen, wozu es verwendet worden ist. Richter Mauruff vermutet, es könnte später die Gemeinde Rechenschaft über dieses verschwundene Gemeindegeld von ihm fordern. Denn dieses gehöre nicht den Syndici, sondern dem Richter.
Natürlich ahnte man am 17. August 1753, als das Jahrgericht im Gemeindehaus tagte, noch nicht, dass auch dieses Gebäude dem fürchterlicher Brand in der Nacht vom 28. zum 29. September zum Opfer fallen würde. Und so fand das Jahrgericht noch gemäß den alten Ritualen statt und so wurden auch die vom Richter Mauruff geführten Beschwerden entsprechend nochmals mündlich vorgetragen.
Die Syndici Lochmann und Staub leugneten nicht, dass sie das Geld für das Heu empfangen hatten, erklärten aber ziemlich unverfroren, dass sie keinen Nachweis über den Verbleib desselben führen könnten, weil die Belege in alten Akten wären und der Zugriff dazu verweigert würde. Das Gericht verpflichtete sie jedoch ungeachtet ihrer Einwendungen, eine Spezifikation über den Verbleib der Summe binnen 14 Tagen vorzulegen.
Auch zur unterbliebenen Räumung des Grabens wurde entschieden: „Bey Vermeydung von Straffe” soll in 14 Tagen der Graben zur Abziehung des Wassers an der Poststraße gehoben werden.”
So hat der in ursächsischer Rechtschreibung verfasste Brief des Richters doch bewirkt, dass eine gewisse Ordnung in Zweenfurth wieder hergestellt worden ist.   Eckhard Uhlig, Heimatverein

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