Mehr Geld fürs Ehrenamt: Borsdorf soll eine kommunale Feuerwehrabgabe einführen

Geduld ist eine Tugend. Besonders geduldig muss das Papier sein, auf dem Koalitionsverträge geschrieben werden. Beispiel gefällig? Auf Seite 105 des im 2014 abgeschlossenen Koalitionsvertrages zwischen CDU und SPD für Sachsen heißt es: „Die früher bestehende Feuerschutzabgabe war nicht nur ein wirkungsvolles Instrument zur Finanzierung von Brandschutzaufgaben, sie hat auch den Stellenwert des Brandschutzes im Bewusstsein der Bevölkerung gestärkt. Die Koalitionspartner prüfen die rechtlichen Voraussetzungen und Gestaltungsräume für eine Wiedereinführung der Feuerschutzabgabe im Freistaat Sachsen.“
Die Sächsische Zeitung griff die Ankündigung auf und stieß auf breite Zustimmung für eine Feuerwehrabgabe, die von allen Sachsen im feuerwehrfähigen Alter jährlich zu entrichten wäre, sofern diese keiner Ffw angehören. (https://www.saechsische.de/buerger-sollen-fuer-den-brandschutz-zahlen-2976874.html)

Und nun, viereinhalb Jahre später? Wahr wohl nix. Und wird wohl auch nix mehr werden in den verbleibenden Monaten bis zur Neuwahl des Sächsischen Landtages. Und danach? Schaunmermal.

Mit dieser Perspektive sind viele der in Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth ehrenamtlich tätigen Kameraden unzufrieden. Das bestätigt auch Gemeindewehrleiter Frank Seidel. „Die Feuerwehrabgabe ist ein Dauerthema. Es gab sie in Sachsen bereits in den 90ern, bis sie 1995 vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, u.a. weil nur Männer zahlen mussten.“ Der Borsdorfer Ortswehrleiter Jens Beckmann ergänzt: „Wir haben zu diesem Thema lange diskutiert und wollen nun eine solche Aufgabe auf kommunaler Ebene anregen. Noch vor der Kommunalwahl wollen wir das Thema in den Gemeinderat tragen.“

Den Kameraden schwebt eine pauschale Abgabe in Höhe von 60 Euro pro Jahr vor, die alle Borsdorfer im Alter von 18 bis 60 Jahren zu leisten haben, die keiner der drei Ortswehren angehören unabhängig vom Geschlecht.

Dass diese Abgabe, so sie denn im Gemeinderat eine Mehrheit findet, jährlich einen stattlichen sechsstelligen Betrag zur Finanzierung der Feuerwehren einspielen würde, ist für die Kameraden nur die eine Seite der Medaille. „Eine solche Abgabe würde unsere ehrenamtliche Arbeit mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken, würde deutlich machen, dass es da Typen gibt, die für das Wohl anderer ihre Freizeit opfern und ihr Leben einsetzen“, betont Frank Seidel. „Und vielleicht ein paar Leute auf die Idee bringen, bei uns anzuklopfen und mitzumachen.“ (Text: André Dreilich für Feuerwehr Borsdorf, Foto: Pixabay)

++++++++ U P D A T E ++++++++ Wir haben Sie nur in den April geschickt!

Schreibe einen Kommentar