Lust auf Dreck: 80 Radfahrer wagen sich bei Schlamm und Eis auf die Piste

„Man muss nicht verrückt sein, um hier dabeizusein, aber es erleichtert die Sache doch ungemein“, stellte Lutz schmunzelnd fest, während er das Fahrrad vom Heckträger seines Kombis nahm. Der drahtige Mitfünfziger war gut 200 km gefahren, um zur alten Panitzscher Trabrennbahn zu gelangen und beim HallzigIcepress in die Pedale treten zu können. Wie Lutz sahen es auch um die 80 weitere Biker, die nach Panitzsch gekommen waren, um gemeinsam durch den Winter zu fahren, Kilometer zu machen und dabei durchaus auch ein wenig verrückt zu sein. HallzigIcepress, das ist eine winterliche Crosstourenfahrt mit vielen Gesichtern. Es kann bei klirrender Kälte durch Schnee und Eis gehen, aber auch bei Frühlingswetter über tief verschlammte Wege.

Am heutigen 5. Februar 2017 gab’s es für die Aktiven von allem etwas: ein paar ordentliche Kellen Schlamm, dazu verharschte Schneewehen und Eis satt. „Ich bin die Strecke gerade noch einmal abgefahren und hab‘ mich ein paarmal hingelegt“, berichtete Oliver Polz, als er eine Viertelstunde vor dem offiziellen Start von seinem gepflegt verschlammten Rad stieg. Der 2. Vorsitzende des 100 Mitglieder zählenden Vereins Hallzig Express e.V. hatte noch einmal die Beschilderung überprüft und, wo es notwendig war, neue gelbe Pfeile angebracht. Einige besonders riskante Stellen wurden per Farbspray markiert, hier und da die Streckenführung geändert.

Eigens aus dem hohen Norden Deutschlands angereist sind diese Radfahrer.    Fotos: -ad

Damit kam die Runde nun auf eine Länge von 27,8 Kilometern. Wer wollte, durfte den Parcours auch mehrfach absolvieren, Und das hatten erstaunlich viele Teilnehmer im Plan, vor allem die aus größerer Entfernung angereisten. Merke: Nicht nur RB Leipzig ist ein Wirtschaftsfaktor, auch HallzigExpress mit seinen Veranstaltungen. Beispiel gefällig? Thomas aus Hamburg ging für drei Runden an den Start. Die Icepress-Teilnahme hatte ihn zum ersten Mal nach Leipzig gelockt. Nicht allein übrigens, denn Thomas‘ Frau war mit und verbrachte den Sonntagvormittag im Leipziger Zoo. Auf die Strecke machte sich auch André Kayser, seit 2016 Koordinator beim Radsportverband Niedersachsen. Als überaus geselliges Häuflein erwiesen sich auch die als dröge verschrieenen Schleswig-Holsteiner. Sie waren als größere Gruppe angereist und hatten gleich noch ein paar Kieler dabei. Eine Runde über den Parkplatz an der Trabrennbahn zeigte, dass beinahe alle Bundesländer mit Teilnehmern vertreten waren.

Kurz vor 11 Uhr sammelte sich das beachtlich angewachsene, bunte Teilnehmerfeld am Tribünengebäude. Dort gab es noch einige kurze Hinweise von Oliver Polz und Mitorganisatorin Doreen Onischuk. „Viel Spaß und passt auf Euch auf“, und los ging’s. Ein paar Schaulustige verfolgten das Spektakel, der eine oder andere äußerte sogar den Entschluss, demnächst mit auf Tour zu gehen. „Bei uns geht es familiär zu, die Leute haben auch auf anspruchsvollen Strecken ihren Spaß, so haben wir viele Wiederholungstäter“, fasste Oliver Polz seine Erfahrungen zusammen. „Wobei natürlich der IcePress speziell ist, da muss man schon Wasser und Schlamm mögen.“* Diese „spezielle“ Veranstaltung richtete der Verein in diesem Jahr übrigens bereits zum 4. Mal aus.

Wer neugierig geworden ist … die nächsten Termine ab/an Panitzsch stehen schon fest. Das sind u.a. die „300“ (Start am 24. Juni 2017, 5 Uhr, 300km) und die „Historica“ am 19./20. August 2017.   -ad

*PS.: Der Verfasser hat weite Teile der Runde am Vortag im Laufschritt absolviert und kann das uneingeschränkt bestätigen.

Schreibe einen Kommentar