Kosten für Sportanlagen werden künftig auf Nutzer umgelegt – Borsdorfer Vereine erhalten im Gegenzug Sportförderung

Unter der etwas reißerischen Überschrift “Sport frei für 51 Euro die Stunde” berichtete die Lokalpostille “LVZ” kürzlich über die vom Borsdorfer Gemeinderat beschlossene Entgeltkalkulation für die kommunalen Sportstätten im Ort und sorgte damit bei einigen Freizeitsportlern für Unruhe. Worum geht es konkret?

In Borsdorf gibt es mehrere Sportstätten in Regie der Gemeinde. Das sind u.a. die Panitzscher Turnhalle, der Sportplatz Borsdorf (samt der vorhandenen Umkleideräume und Sanitäranlagen), der Veranstaltungsraum im 1. Stock des Borsdorfer Sportlerheimes sowie die künftige Borsdorfer Zweifelderhalle. Da die Sächsische Gemeindeordnung von den Kommunen verlangt, soweit als möglich auch “eigene Kohle” zu verdienen, sollen die Nutzer der Sporteinrichtungen künftig in Höhe der anfallenden Kosten zur Kasse gebeten werden. Damit das nicht in Kaffeesatzleserei ausartet, hat die Dresdner B&P Gesellschaft für kommunale Beratung im Auftrag der Gemeinde Borsdorf für die bestehenden Sporteinrichtungen die in den Jahren 2013 bis 2015 aufgelaufenen Kosten analysiert und eine Kalkulation für 2017 bis 2019 vorgenommen. Da für die künftige Zweifelderhalle naturgemäß noch keine Daten vorliegen, flossen hier  Schätzwerte ein. Berücksichtigt wurden alle Kosten von A wie Abwasser bis V wie Verwaltung. Unberücksichtigt blieben allerdings die Abschreibungen. Die auf diese Weise ermittelten Betriebskosten der einzelnen Objekte wurden durch die jährlichen Nutzungsstunden geteilt, sodass ein Stundensatz herauskommt. Dieser beläuft sich auf 7,02 Euro für den Veranstaltungsraum, 25,70 Euro für die Panitzscher Halle, 48,42 Euro für den Borsdorfer Sportplatz und 51,61 Euro für die künftige Zweifelderhalle. Wer nur einen Teil der Halle nutzt, zahlt entsprechend weniger. Größter Nutzer der neuen Borsdorfer Halle wird das Freie Gymnasium sein, das die Sportstätte von Montag bis Freitag jeweils bis 17 Uhr für den Sportunterricht belegt. Dem Gymnasium wurde die Kalkulation mit Zustimmung der Gemeinderäte vorab übermittelt.O-Ton Bürgermeister Ludwig Martin: “Sie hatten wohl mit deutlich weniger gerechnet und schauen sich die Zahlen jetzt näher an.” Unabhängig davon sollen die vorliegenden Kalkulationen nach drei Jahren geprüft und bei Abweichungen nach oben oder unten angepasst werden.

Schon jetzt erhebt die Gemeinde Borsdorf für ihre Sporteinrichtungen Nutzungsentgelte. “Bluten” müssen kommerzielle Nutzer und “fremde” Vereine, ortsansässige Vereine bleiben verschont. Künftig sollen alle Nutzer zur Kasse gebeten werden. Für ortsansässige Vereine soll per Sportförderung allerdings die finanzielle Belastung in Grenzen gehalten werden. Die dazu erforderliche Sportförderrichtlinie wird Ende September im Gemeinderat auf der Tagesordnung stehen; ebenso wie die künftige Nutzungsgebührensatzung.

Bis dahin ist allerdings noch einiges zu klären. Mit ihrer Zustimmung zur Entgeltkalkulation brachten die Gemeinderäte das Thema bei einer Enthaltung (Karsten Fuhrig) auf den Weg. Im Rahmen einer Klausurtagung soll die Problematik mit den Gemeinderäten weiter erörtert werden, danach stehen Beratungen mit den Borsdorfer Vereinen auf der Tagesordnung.   -ad

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