Kampfsport im Wohnzimmer – Online-Qwan-Ki-Do im Lockdown

Das eine ist wie immer: schwarzer Anzug, weißer Gürtel. Das andere ist neu: Computer und Webcam. Not macht bekanntlich erfinderisch, auch im Borsdorfer Breitensport. Beim hiesigen Qwan-Ki-Do-Kampfsport-Verein hat man sich was ganz Besonderes überlegt, um etwas gegen den coronabedingten Lockdown zu tun. Nämlich: Training im Wohnzimmer per Internet-Video-Schalte, statt alle zusammen in der Sporthalle. Denn das ist wegen der Pandemie ja aktuell nicht erlaubt. Das Konzept: der Trainer ist in der Halle, seine Schüler jeweils einzeln zu Hause. So werden Abstände eingehalten – ohne Infektionsrisiko. Übertragen wird das ganze über den Online-Video-Chat-Dienst Zoom. So können die Schüler von zu Hause den Trainer sehen und der Trainer kann die Schüler bei ihren Übungen beobachten.

Vorbild dafür waren unter anderem Clubs der asiatischen Kampfkunst in anderen Ländern. Über internationale Verbindungen zu anderen Qwan-Ki-Do-Vereinen per Facebook wurde das Borsdorfer Trainerteam dazu auf die Idee gebracht, sagt Übungsleiter Christian Hoffmann. Der Qwan-Ki-Do-Großmeister (der Begründer des Qwan Ki Do) diente dabei als Vorbild. Seine Übungen im Internet inspirierten auch die Borsdorfer. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr wurde das World-Wide-Web genutzt.  Allerdings gab es damals noch keine Live-Übertragung, sondern es wurde ein Übungsvideo ins Netz gestellt. Der Online-Sport per Videochat war dann der nächste Schritt: vorher wurde das Ganze von Trainern und Assistenten getestet. Mit dem Online-Sportangebot will man den Trainingsprozess aufrechterhalten und vor allem die Kinder motivieren, auch in dieser schwierigen Zeit dranzubleiben. Das Feedback ist durchweg positiv. Zwar machen noch nicht alle mit, aber die dabei sind, sind laut Trainer Hoffmann total begeistert.

Die 8-Jährige Stella im heimischen Wohnzimmer beim Online-Qwan-Ki-Do

Auch die Eltern der Qwan-Ki-Do-Kinder sollen mit ins Boot geholt werden. Zusammen mit den Trainern kann so eine Verbindung entstehen und das Vereinsleben lässt sich besser pflegen, erklärt Christian Hoffmann. Gemeinsam will man neue Wege gehen. Dieser Gedanke steckt auch im Begriff “Qwan Ki Do” – zu Deutsch: Der Weg der Lebensenergie. Für manche Eltern ist es das erste Mal seit Ausbruch der Pandemie, dass sie ihren kleinen Kampfsportlern beim Training zuschauen können – “Zoom” sei Dank! Das war während des Hallen-Trainings wegen des Hygienekonzepts nicht möglich. Corona macht dem Vereinsleben ziemlich zu schaffen – das ist beim Borsdorfer Qwan-Ki-Do-Verein nicht anders. Es mache sich ein soziales Gefälle bemerkbar, sagt der Trainer. Einige Leute könnten sich an den eingeschränkten Angeboten nicht beteiligen. Manche haben keinen PC oder Tablet, dazu fehle schlichtweg das Geld. Oder manche wissen nicht, wie man sich an einer Zoom-Konferenz beteiligt. So bleibt die Hoffnung, dass die Infektionszahlen sinken und der aktuelle Lockdown im Breitensport bald zu Ende ist. Bis Ende des Monats gilt er jedenfalls noch. Ob es im Dezember anders wird, muss die Politik entscheiden. Wünschenswert wäre es.

Text: Sandra Jostes
Fotos: QWAN KI DO – Borsdorf, Sandra Jostes

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