Empfangsstörung mal anders: Schützen im Borsdorfer Rathaus und in der neuen Zweifeldhalle

Ist Ihnen das auch schon passiert? Da wird ein Vorhaben ewig nicht fertig und dann muss es ganz schnell gehen, denn Besuch hat sich angesagt. Und plötzlich passt es dann doch noch … irgendwie. So war’s kürzlich auch in Borsdorf … irgendwie. Nagut, es war nicht ein Vorhaben, sondern gleich zwei, aber nun sind sie fertig … irgendwie … beinahe. Wer’s noch nicht gemerkt hat – es geht um den Borsdorfer Marktplatz und die Zweifelderhalle, die es gemeinsam auf einen stattlichen Bauverzug von mehr als einem Jahr gebracht haben und Ende April doch zu einem Abschluss gebracht wurden … irgendwie. Schuld daran ist der Landesschützentag, den die Gemeinde Borsdorf und die Leipziger Communalgarde gemeinsam ausgerichtet haben. Bei der Bewerbung für diese Jahreshauptversammlung des Sächsischen Schützenbundes lag die Fertigstellung der Halle noch in weiter Ferne. Das war kein Problem, denn der 21. April 2018, der Termin des Landesschützentages, lag (gefühlt) noch Lichtjahre entfernt. Mit jedem Monat Bauverzug schmolz der Abstand dahin und schließlich klemmte beim vergleichsweise überschaubare Marktplatzprojekt auch noch die (chinesische) Steinsäge.

Und dann? Passten die Enden doch noch zusammen, wurde die Mehrzweckhalle ab Januar in Betrieb genommen, die Kinderkrankheiten abgestellt (beinahe …) und kurz vor dem Landesschützentag kam sogar noch Farbe an die Fassade und das Vorhaben wurde abgeschlossen … beinahe. Und auch der Marktplatz war plötzlich (beinahe) komplett, kurz vor knapp wurden die Baumscheiben aufgehübscht und der letzte Fugensand gekehrt. Gefühlte zehn Minuten später schlurften die Traditionalisten der Leipziger Communalgarde am Abend des 20. April über den frischen Granit, richteten sich aus und die Mündung ihrer Kanone gen Leipzig, ließen erst ihre Musketen krachen und im Anschluss das dicke Rohr donnern, ehe Bürgermeister Ludwig Martin und Schützenbundspräsident Frank Kupfer die Front abschritten, sich bei Gardisten und Feuerwehrkameraden bedankten, viele Hände schüttelten und zur Erinnerung an das Ereignis weißgrüne Fahnenschleifen übergaben.

Welches Ereignis? Bürgermeister Ludwig Martin hatte für den Abend des 20. April die Spitze des Sächsischen Schützenbundes und Vertreter der Gemeinderatsfraktionen zum Empfang ins Rathaus geladen, darum auch die Marktdonnerei. Im gut gefüllten Ratssaal gab es aus diesem Anlass beflügelnde Getränke, erhebende Worte und erinnernde Plaketten für Gemeinde und Garde. Die Beteiligung der Gemeinderatsfraktionen blieb trotz Einladung in überschaubarem Rahmen; es gab da einige befindlichkeitsfremdelnde Spezies, die angesichts des „belasteten Datums“ bedenkenträgerische Einwände vorbrachten.

Auf dem Hof des Rathauses ging es während des Empfangs weniger förmlich zu; Gardisten, Feuerwehrkameraden und auch der eine oder andere Berichterstatter ließen es sich bei gesundheitsfördernden Getränken gut gehen und resümierten das Erlebte, bis der Empfang 19.33 Uhr durch Pieper und Sirene jäh gestört wurde. Ein Unfall auf der alten B6 ließ die Feuerwehrkameraden aufschrecken, wofür endlich einmal die alte Redewendung vom Habicht auf dem Hühnerhof aus dem Schatzkistlein geholt werden darf. Während für die einen der Empfang damit gelaufen war, ging er für die anderen noch ein Stück weiter, ehe über Borsdorf wieder Ruhe einzog.   -ad

Fotos: André Dreilich

Doch die Ruhe währte nur kurz, denn am Morgen des 21. April nahmen 254 Delegierte aus verschiedenen Schützenvereinen aus ganz Sachsen und zahlreiche Ehrengäste die neue Zweifelderhalle in Besitz und trafen sich anlässlich des 20. Landesschützentages des Sächsischen Schützenbundes. Begrüßt wurden sie durch zünftige Blasmusik von den Partheplautzern. Prominentester Ehrengast war an diesem Tag Ministerpräsident Michael Kretschmer, der von Claus Wüsteneck, Major der Leipziger Communalgarde, in Empfang genommen wurde.

Schützenbundpräsident Frank Kupfer eröffnete die Feierstunde und die anschließende Delegiertenversammlung. Höhepunkt der Feierstunde war der Fahneneinmarsch, zu dem 50 Banner und Standarten der Mitgliedsvereinigungen geführt wurden.

Fotos: Sandra Jostes

Landesvater Michael Kretschmer würdigte bei seinem Grußwort an die Schützen die vorzeigbaren Erfolge bei regionalen und internationalen Wettkämpfen und freute sich, “dass Sie sich wohlfühlen und ihrem schönen Sport nachgehen.” Doch er fand auch schärfere Worte und prangerte “das ständige Misstrauen, das gesät wird” an und blickte dabei auf das Waffengesetz, das “verschlimmbessert” werden soll. “Das Bild in der Öffentlichkeit muss wieder gerade gerichtet werden.” Kretschmer versprach: “Wenn der Freistaat Sachsen etwas dafür tun kann, dann macht er das auch.”

Nach dem Festakt kamen die Delegierten zusammen, um gemeinsam mit dem Präsidium des Sächsischen Schützenbundes eine Neufassung der Satzung zu diskutieren und zu beschließen. Abschließend stand die Neuwahl des Präsidiums für die nächsten vier Jahre auf der Tagesordnung. Mit einer überwältigenden Mehrheit wurde Frank Kupfer erneut zum Präsidenten des Sächsischen Schützenbundes gewählt.  -sj

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