Ein Kommentar

Ich melde mich noch einmal zu Wort und hoffe, mit diesem Kommentar, ein wenig für Aufklärung zu meinem Artikel vom vergangenen Freitag zu sorgen.

Viele Leser waren geschockt, erschrocken und konnten es nicht glauben, dass die geschilderte Geschichte so passiert sein soll – hier bei uns im beschaulichen Borsdorf. Einige gingen ein paar Schritte weiter: die Beschimpfungen bei Facebook reichten von „das ist erfunden“, „ein unsäglicher Artikel“, „Falschmeldung“, „haarstreubende Story, ungeprüft und ohne Recherche verfasst“, kurz um, ich hätte einen Artikel geschrieben, „in dem behauptet wird, die Dorfbewohner wären asozial“. Nach dem Motto “weil nicht sein kann, was nicht sein darf.”

Grundlage des Artikels war, wie im Beitrag beschrieben, eine E-Mail einer Borsdorfer Bürgerin an den Bürgermeister, die an mich weitergeleitet wurde. Daraufhin habe ich die Verfasserin telefonisch kontaktiert, um mir persönlich die Geschichte anzuhören. Gestern habe ich noch einmal mit ihr telefoniert, um mit ihr über die Reaktionen von einigen Lesern zu sprechen. Ich darf Ihnen jetzt mitteilen, dass ihr Ehemann der Radfahrer war, der sich Donnerstagmorgen auf dem Weg zur Arbeit befand und sich um den verletzten älteren Mann kümmerte und den Notarzt gerufen hatte. Der Helfer kann sich erinnern, dass er Einkaufstüten bei sich hatte (leider keine Getränke) und der Notarzt sofort Dehydration feststellte. Der Mann war sichtlich angeschlagen und konnte sich auch schlecht artikulieren. Er meinte aber, dass er bereits seit gestern Nachmittag/Abend hier lag.

Aus zuverlässiger Quelle habe ich gestern bestätigt bekommen, dass der Patient (sein Name ist bekannt) mit dem Rettungswagen Machern ins Krankenhaus Wurzen gebracht wurde. Über seinen Gesundheitszustand habe ich leider keine Informationen.

Sehen Sie es mir bitte nach, dass der Artikel in einem sehr emotionalen Kontext verfasst wurde, er basiert auf den Worten der Ehefrau des helfenden Radfahrers. Sie hat die Zeilen geschrieben, kurz nachdem sie von dem Vorfall von ihrem Mann unterrichtet wurde. Ganz wichtig ist ihr (und ich schließe mich an), dass sie nicht mit dem Zeigefinger auf bestimmte Borsdorfer Bürger zeigen wollte. Ihre Worte: „Bitte vergeben Sie uns Borsdorfern, das Wegsehen, das Weitergehen, unsere Ignoranz mit der wir Leben gefährden. So etwas darf nicht wieder geschehen! Das sollten wir uns alle wert sein!“ Ihr letzter Satz: „Diese Geschichte hat sich genauso zugetragen, ich habe Sie nur aufgeschrieben, weil Sie mich tief erschüttert hat und ich finde, darüber kann man nicht schweigen.“ Und das war auch meine Motivation, diese Geschichte mit Ihnen zu teilen.

Wahrscheinlich war ich zu naiv, zu glauben, dass Sie mir Glauben schenken. Das Wort eines Menschen reicht eben manchmal nicht. Einige wollen nur knallharte Fakten – leider kann ich Sie Ihnen nicht geben! Nur die Aussage einer Person, die dabei war. Gern entschuldige ich mich bei denen, die meinten, dass der Artikel zu reißerisch nach BILD-Niveau formuliert wurde. Den Schuh zieh ich mir an!

Eins möchte ich aber komplett von mir (bzw. Parthengezwitscher) weisen: wir wollten mit dieser Geschichte weder ein nicht vorhandenes “Sommerloch stopfen”, noch denken wir uns irgendwelche Stories aus oder stellen Menschen an den Pranger. Natürlich dürfen Sie Zweifel äußern, selbstverständlich können Sie Dinge hinterfragen. Das ist völlig legitim. Aber wüste Beschimpfungen sind komplett daneben und machen, ehrlich gesagt, nicht viel Mut, so ein auf Ehrenamt basierendes Nachrichtenportal, zu betreiben. Wir sind immer bemüht, sachlich und objektiv über Veranstaltungen im Ort zu berichten, stets mit besten Absichten. Und wir werden das auch weiterhin tun! Versprochen!

Sandra Jostes

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