Die Borsdorfer Kirche wird 50. Wer kann sich ans Baugeschehen erinnern?

Im kommenden Jahr feiert Borsdorf (übrigens gemeinsam mit Panitzsch) seine urkundliche Ersterwähnung vor 750 Jahren. Die eigenständige Borsdorfer Kirchgemeinde hingegen ist viel jünger: Sie wurde erst 1906 selbstständig, eine eigene Pfarrei gibt es seit 1907. Noch jünger ist das heutige Borsdorfer Gotteshaus. Es wurde am 26. Februar 1967 geweiht. Moment mal … 1967? Richtigt, damit macht die Borsdorfer Kirche am 26. Februar 2017 das halbe Jahrhundert voll.

Für Pfarrer Thomas Enge ist das Jubiläum nicht nur ein Grund zum Feiern. “Es gibt eine Menge zu tun, wir wollen unsere Kirche bis zum kommenden Jahr möglichst gründlich ‘auf Vordermann’ bringen.” Und zu tun gibt es eine Menge, denn die “nur” 50 Jahre haben am Borsdorfer Gotteshaus einige Spuren hinterlassen. Dabei ist eine Renovierung nur der kleinste Teil der Arbeit. An Fensterrahmen und Eingangstür hat der Zahn der Zeit genagt, die Terrazzo-Fensterbänke bröckeln,  mittelfristig ist eine energetische Sanierung des Gebäudes notwendig.

Dass die Borsdorfer Kirche Mitte der 1960er Jahre überhaupt gebaut werden konnte, grenzt für Pfarrer Thomas Enge an ein Wunder. Zu dieser Zeit stand die Kirche in der DDR politisch als “Gegner des Sozialismus” unter Druck, wurde am 30. Mai 1968 die Leipziger Universitätskirche gesprengt. Dennoch wurde in Borsdorf ein Gotteshaus gebaut, entstand aus einem baufälligen Tanzsaal  Stein um Stein die heutige Kirche. Im Rahmen der “Aktion Sühnezeichen” arbeiteten junge Leute aus Polen, Ungarn, Rumänien und Deutschland beim Bau mit, außerdem waren die DDR-typischen “Feierabendbrigaden” im Einsatz. Doch woher stammte unter den Bedingungen der notorischen DDR-Mangelwirtschaft das Material?

Wie kompliziert die politischen Verhältnisse seinerzeit waren, habe sich bei der Einweihung der Kirche gezeigt, schmunzelt Pfarrer Thomas Enge. Dem zuständigen Bischof wurde von den Behörden untersagt, beim Weg vom Pfarrhaus zur Kirche über den öffentlichen Fußweg zu gehen. Also musste die Prozession innerhalb des Grundstückes bleiben und auf kurzem Weg über den Hof führen.

Trotz all dieser Widrigkeiten kann der Besucher in der fast 50jährigen Kirche viel Sehenswertes entdecken, da sie sich praktisch noch im Originalzustand präsentiert. Die von Werner Juza gestalteten Fenster mit biblischen Motiven strahlen fast wie am ersten Tag. Altar und Kanzel zeigen biblische Szenen in Betonreliefs, die Metallarbeiten stammen vom Berliner Ziseleurmeister Günter Tigge. Selbst bei den Leuchten im Saal scheint die Zeit stehengeblieben zu sein; ebenso wie beim DDR-typischen Garderobenständer aus Aluminium.

“Leider wissen bisher nur wenig über die Bauzeit”, bedauert Pfarrer Thomas Enge. “Deshalb hoffen wir, dass der eine oder andere Borsdorfer noch Fotos oder andere Dokumente aus dieser Phase hat und uns zur Vorbereitung des Jubiläums zugänglich machen kann. Aber auch die Erinnerungen von Zeitzeugen sind wichtig; womöglich kann sich noch jemand erinnern, der damals mitgebaut hat.”

Wer dieses Anliegen unterstützen will, kann sich telefonisch unter 034291 86462 oder per E-Mail an Thomas.Enge@evlks.de melden.

-ad

 

Schreibe einen Kommentar