Borsdorfer Heimatmuseum begeht sein 20jähriges Bestehen mit einem Festtag

Borsdorf besitzt Merkmale des Besonderen. Begünstigt durch seine Leipziger Vorortlage und unterstützt durch unter­nehmerische Eingriffe wandelte es sich vom Weiler im Parthebogen in Abkehr von der zuvor betriebenen Land­wirtschaft zum beliebten Som­mersitz- und Wohnort mit etwas Industrieansiedelung.

Gleich zu Beginn des Ei­senbahnzeitalters nimmt es teil an der neuen Art von Ver­kehrsverbindungen zwischen Städten und Dörfern und ver­fügt über ein Stationsge­bäu­­de an der ersten deutschen Ferneisenbahnstrecke. Diesem folgt der Bau eines anspruchsvollen Bahnhofsge­bäudes sowie eines glei­cher­maßen repräsentativ ausgeführten Rathausbaues. Mehrere, zeitlich aufeinanderfolgende Schulgebäude tragen der wachsenden Schü­lerzahl auch unter Einschluss der Schüler der Nachbarorte Zweenfurth und Althen Rechnung: Anfang des 20. Jahrhunderts und Anfang des 21. Jahrhunderts entstehen Schulgebäude modernster Art.

Die örtliche Versorgung mit Wasser, Gas und Elek­troenergie bleibt nicht hinter den Möglichkeiten im Fort­schrittsgeschehen zurück. Alles ist vorhanden. Es fehlte lediglich an einer kulturellen Einrichtung, welche eben diese geschichtliche Entwick­lung nacherlebbar zu gestalten vermag, es fehlte an einer Verwahrstelle für das Gewissen der Dorfgemein­schaft – kurz, an einem Heimatmuseum.

Ds Borsdorfer Heimatmuseum beheht im August sein 20jähriges Bestehen.
Ds Borsdorfer Heimatmuseum beheht im August sein 20jähriges Bestehen.

Und ein solches kann nun hier und heute auf sein 20­jähriges Bestehen zurückblicken. Entstanden ist es durch glückliche Umstände in der Nachwendezeit unter maßgeblichem wohlwollenden Einfluss von Peter Pfützner (1932 – 2012) während dessen Bürgermeisterzeit.

Besonders seit dem Zeitpunkt der sich grundlegend verändernden Dorfstruktur in Borsdorf – 1839 : Bau der Eisenbahn, 1871: Gründung der Leipzig-Borsdorfer Baugesellschaft – verstärkte sich auch allgemein der Wunsch, genaueres über die davor liegende Zeit zu erfahren.

Für Borsdorf und die Bors­dorfer bemühten sich seitdem vor allem Franz Pfalz (1832 – 1910) und Paul Hent­schel (1858 – 1927), später, Zweenfurth und die Zween­further einschließend, Karl Hoffmann (1884 – 1964) und Harro Gehse (1927 – 2015) um Klarheit. Den umfangreichen schriftlichen Arbeiten Karl Hoffmanns stand zu­dem eine von ihm selbst be­gonnene und leider in den Nachkriegswirren verloren gegangene Sammlung von Dokumenten und Gegenstän­den mit ortsgeschichtlichem Bezug zur Seite.

Speziell zu Zweenfurths Ortsgeschichte liegen wesentliche Arbeiten von Ro­bert Mühlberg und von Kantor Otto Dietrich vor, die durch Anneliese Matthes (1921 – 2014) Bearbeitung und Ergänzung erfuhren.

Intensiv gesammelt wird jetzt seit zwanzig Jahren erneut im Heimatmuseum; und seit Panitzsch und Cun­ners­dorf zur Ortsteil-Familie gehören, steht auch für deren historisches Material die Mu­seumstür offen.

Die Panitzscher bekamen im Jahre 1937 vom Historiker Heinz Quirin (1913 – 2000) eine wissenschaftlich fundierte Heimatgeschichte geschenkt; Quirin war zum Zeit­punkt der Veröffentlichung gerade 24 Jahre alt geworden.

Ein Dreivierteljahrtausend ist seit den aufgefundenen erstmaligen Erwähnungen unserer zusammengefügten Ortsteile dahingegangen. Den Geschehnissen aus dieser langen Zeit spüren engagier­te, ehrenamtlich im Museum tätige Mitarbeiter nach. Sie haben zum bisherigen Kennt­nisstand viel Neues hinzufügen und manchen Irrtum aus­räumen können.

Ihr Wirken innerhalb einer Interessengruppe des Hei­matvereins für Borsdorf und Zweenfurth e. V. erfährt vielseitige Unterstützung durch die Gemeinde. Nach intensiver Forschungsarbeit zur örtlichen Entwicklungsgeschichte und zu wichtigen Vertretern aus wirtschaftlichem, künstlerischem und politischem Bereich, bietet das Museum eine sich zum angestrebten Geschichts­kompendium vervollständigende Dauerausstellung. Sie findet alljährlich Ergänzung durch Sonderausstellungen aus und zu besonderen Anlässen.

Ihre wohl wertvollste Funk­tion jedoch erfüllt seit nun­mehr 20 Jahren unsere Kul­turstätte Heimatmuseum in­nerhalb stets gesicherter Öff­nungszeiten als kompetente und kostenlose Informations- und Auskunftsstelle für jedermanns Fragen zur Ortsgeschichte.

Der Gesamtheit aller in die Museumsgestaltung eingeflossenen Ideen, Kräfte, Mühen und Erfolge wollen wir innerhalb einer angemessen-frohen Festveranstal­tung am 20. August 2016 gedenken. Wichtige Punkte des Programms finden die geneigten Leser in der folgenden Übersicht.

Text & Foto von Christoph Eckelt, Heimatverein, Museumsleiter

 

Wichtige Programmpunkte
• 13.00 Uhr: Möglichkeit der Teilnahme an einem geführten Rundgang durch einen Teil vom nördlichen Borsdorf. Treffpunkt: Bahnhofsvorplatz
• 14.30 Uhr: Am Museum: Eröffnungsansprache und Enthüllung einer Tafel für verdienstvolle Borsdorfer aus vergangener Zeit.
• 15.15 Uhr: Ein professioneller Zauberer überrascht Groß und Klein mit Kunst.
• ab 16.00 Uhr: Tierische Überraschung für Kinder, Rätsel für Kinder und Erwachsene (Auflösung nachmittags/abend, Rundgang durchs Haus usw.
• ab ca. 19.15 Uhr: Unterhaltungsmusik durch Musiker der Partheplautzer.
• gegen 22.00 Uhr: Jubiläumsfeuerwerk
• Für gastronomische Betreuung ist gesorgt.

 

 

Schreibe einen Kommentar