Borsdorf in der Corona-Krise

Aktuell gibt es 28 bestätigte Corona-Infektionsfälle im Landkreis Leipzig. Alle betroffenen Personen haben nur leichte oder gar keine Krankheitssymptome und befinden sich in häuslicher Quarantäne, teilt das Landratsamt Leipzig auf seiner Webseite mit.

Die aktuelle Pandemie geht auch an Borsdorf nicht spurlos vorbei. Die Gemeindeverwaltung ist jetzt größtenteils nur per Telefon oder E-Mail zu erreichen. Wer dennoch sein Anliegen persönlich klären muss, kommt um eine telefonische Terminvereinbarung mit dem jeweiligen Sachbearbeiter nicht herum. “Am Dienstag nutzten etwa 10 bis 15 Bürger diesen Service im Meldeamt”, erklärt Bürgermeister Ludwig Martin. Aber: Barzahlungen in der Kasse und dem Finanzwesen des Rathauses sind nicht möglich, in dringenden Fällen nur nach telefonischer Anmeldung.

Auch das sogenannte Home Office – also die Arbeit von zu Hause – ist in der Gemeindeverwaltung mittlerweile ein Thema. Zur Zeit werden dafür die technischen Möglichkeiten geschaffen, damit das Gemeinde-Personal auch vom “heimischen Herd” auf Verfahren zugreifen kann. Eine Verschiebung der Arbeitszeit ist ebenfalls geplant, damit sich die Mitarbeiter mit Kindern am Tag um den Nachwuchs kümmern können – denn wegen Corona sind augenblicklich Schulen und KiTas geschlossen.

Die Panitzscher Kita-Leiterin Birgit Kaden (rechts) und ihre Stellvertreterin Andrea Zellin (links) beim Erstellen des Dienstplanes

Die KiTa “Parthenflöhe” läuft wegen der Schließungen zur Zeit im Notbetrieb. Trotzdem sind alle Erzieher vor Ort, die nun die Zeit zum Sortieren und Aufräumen der Gruppenräume nutzen. Außerdem können an den Portfolios und Beobachtungsbögen der Kinder gearbeitet werden. Etwa 12 Kinder werden zur Zeit täglich betreut, deren Eltern in sogenannten “system-relevanten” Berufen arbeiten – dazu gehören beispielsweise: Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte oder Pflegepersonal. Für die nächste Woche rechnet Parthenflöhe-Chefin Birgit Kaden mit mehr zu betreuenden Kindern. Ob Eltern wegen der KiTa-Schließung die Beiträge erstattet bekommen, ist noch unklar. Bürgermeister Martin hofft auf eine einheitliche Regelung vom Freistaat Sachsen. Der Rathaus-Chef bittet deshalb um Geduld.

Ähnlich wie in der KiTa ist es auch in der Grundschule sowie im Hort in Panitzsch. Bei den “Parthenstrolchen” sind ebenfalls alle Erzieher im Einsatz, die sich auch um die Portfolios und Beobachtungsbögen der Kinder kümmern. Seit Schulen und Hort am Mittwoch geschlossen wurden, sind bislang nur ein bis zwei Schüler notbetreut worden. Aber Hort- und Schulleitung gehen davon aus, dass es in den kommenden Tagen mehr werden.

Und auch aufs schnelle Internet müssen die Borsdorfer wegen der Corona-Krise eventuell noch warten. Denn die Deutsche Glasfaser lässt die Arbeiten erstmal ruhen. Die Sicherheit und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger sowie der Mitarbeiter habe höchste Priorität, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Wegen Corona fällt dieses Jahr auch das Osterfeuer ins Wasser. Auf der Gemeinde-Homepage heißt es: Leider müssen wir das geplante Osterfeuer am 11.04.2020 ausfallen lassen, um unsere Bürger nicht unnötig in Gefahr zu bringen.

In Krisen-Zeiten machen sich die Bürger wohl auch kreative Gedanken: eine Facebook-Userin schlug vor, die Bibliothek, die derzeit geschlossen ist, zumindest für die Online-Ausleihe zu nutzen. Sie schrieb “es wäre doch sicher möglich Online Bücher zu reservieren und einen Termin zur Abholung zu vereinbaren. Die Bücher, Spiele, DVD usw. könnten dann vor die Tür gestellt werden.” Die Panitzscher Gemeinderätin Birgit Kilian machte gleich Nägel mit Köpfen und organisierte unter dem Motto “Zeitvertreib zu verschenken” vor ihrem Haus einen Tisch mit ausrangierten Büchern und Spielen für Groß und Klein. Jeder konnte nehmen, was er wollte und auch für Kinderhospiz Bärenherz Leipzig e.V. spenden.

Fotos: Birgit Kilian (Facebook)

Eine Sache liegt Bürgermeister Ludwig Martin in der Krise noch sehr am Herzen: “Bitte helfen Sie, sofern es Ihnen möglich ist, unseren älteren oder erkrankten Mitbürgern, in dem Sie beispielsweise für sie Einkäufe erledigen oder sie anderweitig unterstützen. Vermeiden Sie unnötige Arztbesuche!”

Sandra Jostes

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