Bauverzug und Schlüsselklau zum Trotz: Borsdorfer Zweifelderhalle offiziell eröffnet

Was lange währt, wird irgendwann doch irgendwie gut; so auch die neue Borsdorfer Zweifelderhalle. Und weil jedes große Vorhaben auch einen würdigen Abschluss benötigt, gönnte sich die Gemeinde Borsdorf auch eine Feier zur offiziellen Einweihung ihres neuen Schmuckstückes. Da störte es wenig, dass die Halle seit Jahresbeginn bereits Schritt für Schritt durch den Vereins- und Schulsport mit Leben erfüllt wurde. Und da am 21. April ohnehin eine Veranstaltung in der Halle stattfand, bot es sich an, die Einweihung gleich auf diesen Termin zu legen, da Bodenbelag, Tische, Stühle und Bühne nun schonmal an Ort und Stelle waren.

Gegen 19 Uhr füllte sich der Saal zusehends mit rund 300 erwartungsvollen und durchaus aufgekratzten Gästen, unter ihnen Landrat Henry Graichen und Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal. Bürgermeister Ludwig Martin verwies in seiner Eröffnungsansprache darauf, wie lange Borsdorf auf diesen Neubau gewartet habe. “27 Jahre hat’s gedauert, aber wir haben’s noch erlebt”, rief er mit Blick auf Rolf Rau und Peter Großmann, zwei Wegbereiter des Projektes. Außerdem gab er einen kurzen Abriss des Bauvorhabens, lobte die Beteiligten und keilte verbal in Richtung der Amtsschimmelreiter aus, die den Bau der Halle durch aus seiner Sicht überzogene Forderungen verzögert und verteuert hatten.

Landrat Henry Graichen erinnerte sich daran, dass er das Vorhaben zu einem Zeitpunkt kennengelernt hatte, als am Bahngleis noch ein marodes Lagerhaus seinem Abriss entgegenträumte. Auch er stimmte ins Lob ein, sagte wichtige Impulse fürs hiesige Vereinsleben voraus und betonte, dass die Borsdorfer Halle ein attraktiver Ort für kulturelle Veranstaltungen auch im Maßstab des Landkreises sei.

Jede Menge Beifall gab es bei der Ehrung verdienstvoller Borsdorfer Sportlerinnen und Sportler, die vom Bürgermeister jeweils “eine Urkunde und einen Präsentkorb” erhielten (Diese stereotyp vorgetrage Formel entwickelte sich zum “Running gag” und sorgte für Heiterkeit im Saal.). Die solcherart Geehrten waren die A-Jugendmannschaft des SV Panitzsch-Borsdorf, Martin Tripke, René Reinicke, Kerstin Ullrich , Steffen Gläser (alle SV Panitzsch-Borsdorf 1920 e.V.), Wilfried Kittner, Dietmar Graul, Burkhard Morawe, André Rausch, Erika Kirbach, Kerstin Mohr, Sandra Boitz und Falk Schmutzler (alle SV Borsdorf 1990).

Ein Höhepunkt des Abends war die Übergabe des symbolischen Hallenschlüssels durch Architekt Roland Bartsch an Bürgermeister Ludwig Martin. Und weil es beim Hallenbau nicht ein Pannen gemangelt hatte, lieferte Martin bei dieser Gelegenheit gleich noch eine weitere Pannenmeldung nach: “Dieser Schlüssel ist ein Ersatz”, berichtete er. “In Leipzig wurde der ursprüngliche Schlüssel beim Einbruch ins Fahrzeug einer Firma geklaut, also musste schnell ein neuer her.”

Für die musikalische Umrahmung des festlichen Teils sorgte mit viel Engagement und Können das 1. Leipziger Familienorchester unter Leitung von Bernd Brückner, in dessen Reihen Künstler im Alter von 17 bis 90 (!) Jahren stets die richtigen Töne trafen und das Publikum begeisterten. Zu späterer Stunde gab es statt Live- dann Konservenmusik und die Tanzfläche füllte sich.

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es richtig war, die Halle nicht “nur” als Sportstätte auszulegen, sondern trotz höherer Sicherheitsauflagen (und Kosten) auch für die Nutzung als Veranstaltungsort fitzumachen, so war es diese Eröffnungsfeier. Umso erstaunlicher ist es, dass einige von den Gemeinderäten, die seinerzeit gegen die erweiterte Hallennutzung und die damit verbundenen Kosten gestimmt hatten, bei der Feier gesichtet wurden.   -ad

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