Die 4. Radtourenfahrt “Historica” rockt die Panitzscher Trabrennbahn

Als sich die Sonne am 20. August 2016 anschickte, über Panitzsch aufzugehen, tat sie das ohne Publikum, denn Regenwolken verbargen das Zentralgestirn vor neugierigen Blicken. Doch kurz nach 7 Uhr lichtete sich das Gewölk, der Regen hörte auf und auf der alten Trabrennbahn setzte ein beeindruckendes Gewusel ein. Helfer schleppten Tische und Kisten heran, be- und entluden Autos, ein DJ testete seine Anlage und mittendrin geisterten mehr oder minder muntere Radfahrer herum. Die vierte Auflage der Radtourenfahrt “Historica” nahm zusehends Fahrt auf.

Kurz vor 8 Uhr drängten sich die Fahrer der ersten Gruppe im Startbereich. Bei ihnen dominierten recht ernst dreinblickende FahrerInnen auf modernen Rennrädern, denn “mal eben so” 200 km zu bewältigen, ist schon ein anspruchsvolles Vorhaben. Dazu bedarf es anständigen Geräts, guter Vorbereitung und noch eines Energieschubs vor dem Start. Während die letzten Aktiven noch an Banane oder Kuchenstück kauten, gaben ihnen die Veranstalter noch einige Hinweise zu Strecke und verkündeten das Angebot der Verpflegungsstellen. Die vorgetragene Speisekarte umfasste u.a. Melonenschiffchen mit Schinken, Lachshäppchen sowie Rotwein (natürlich im Glas) samt französischer Salami. Nachdem die Damen der Eilenburger Tanzgruppe den an der Startlinie aufgereihten Fahrern eine Probe ihres gegeben hatten, krachte der Startschuss und das Feld der ca. 100 Fahrer über die 200-km-Distanz setzte sich hinter dem Führungsfahrzeug, einem klassischen Mercedes Cabrio 350 SEL, in Bewegung.

Impressionen von der 4. “Historica”.

 

Nun kehrte für einige Minuten ein wenig Ruhe auf der Trabrennbahn ein, denn bis zum Start der vier “Bambini-Strecken” (50, 80, 110 und 150 km) war eine Stunde Zeit. Doch die Ruhe währte nicht lange, denn inzwischen waren auch die restlichen Teilnehmer aus ihren Zelten gekrabbelt bzw. mit ihren Rädern in Panitzsch angekommen. Am Stand mit den Startunterlagen bildete sich eine Schlange. Obwohl bereits einige hundert Aktive via Internet gemeldet hatten, nutzten viele auch die Möglichkeit, sich nach eingehender Prüfung des Wetterberichtes unmittelbar vor der Veranstaltung anzumelden.

Doch niemand musste Sorge haben, nicht auf die Strecke zu kommen. Zum einen galt für die vier “kurzen” Strecken ein Startfenster von 9 bis 10 Uhr (schließlich sind wir hier bei einer Radtourenfahrt und nicht bei Olympia), zum anderen verkündete der Veranstalter, dass mit dem Start gewartet werde, bis alle vor 9 Uhr eingetroffenen Nachmelder “abgearbeitet” wurden.

Gegen 9 Uhr hatten wieder die Eilenburger Tänzerinnen ihren Auftritt, ehe noch einmal die “Speisekarte” verlesen wurde. Als angesichts der Zuordnung der Delikatessen zu den einzelnen Verpflegungspunkten und Strecken ein leises Raunen zu hören war, kommentierte der Sprecher das mit dem Hinweis, dass ein Ummelden auf andere Strecken natürlich möglich sei.

Kurz nach 9 Uhr rollte nach dem Startschuss ein mehrere hundert Teilnehmer starkes Feld auf die vier Strecken. Diesmal war die Schar deutlich bunter und lauter als bei den 200-km-Fahrern. Mehrere Aktive hatten das Motto “Historica” ernst genommen und gingen auf die Strecke mit liebevoll gepflegten historischen Fahrrädern und trugen dazu das passende, zeitgemäße Outfit. Hilla und Ernst Gombert waren eigens aus Monschau nach Panitzsch gekommen, hatten zuvor ein wenig Leipzig erkundet und gingen nun begeistert an den Start. Hilla übrigens auf einem Rennrad, das 1981 schon zur Tour de France rollte.

Mit von der Partie war auch Marko Friedrich aus Borsdorf, der die Strecke mit deutlicher Genussabsicht anging. Er hatte er vor kurzem die Alpen mit dem Fahrrad überquert und nutzte die “Historica” als leichte Trainingsrunde. Eine Herausforderung war die Strecke hingegen für Andreas Ossler aus Leipzig. Der begeisterte Radsportler war wenige Tage zuvor auf dem Weg zur Arbeit von einem unaufmerksamen Autofahrer vom Rad geholt worden und machte sich mit drei gebrochenen Rippen auf die Strecke. “Nur nicht lachen.”

Als das bunte Feld von der Trabrennbahn aus gen Panitzsch verschwunden war, kehrte noch lange keine Ruhe am Start ein. Denn nun kamen die geruhsamen Nachzügler, die gewillt waren, das ihnen gebotene Zeitfenster bis 10 Uhr auszureizen und das Feld ohne übermäßige Eile “von hinten” aufzurollen. Doch gerade dieses Mit- und Nebeneinander ambitionierter, leistungsorientierter Amateure und gemütlicher Ausflügler ist es ja, das den besonderen Reiz dieser großen Radtourenfahrt ausmacht.

Oliver Polz aus Borsdorf, der Vorsitzende des Ausrichtervereins Hallzig-Express , sieht die Veranstaltung als Kraftakt, der nur dank vieler Helfer und zahlreicher Sponsoren zu bewältigen ist.”Wie immer denken wir wieder nicht nur an uns, sondern sammeln bei allen Veranstaltungen Spenden für das Kinderhospiz ‘Bärenherz’ in Leipzig”, betonte Oliver Polz. “Pro Starter spenden wir zwei Euro ans Hospiz.” Anfang September ist es soweit, dann werden die in diesem Jahr bereits gesammelten Spenden (neben der “Historica” auch beim “Hallzig Icepress” und der “Brocken-Sternfahrt”) übergeben.   André Dreilich

PS.: Die genauen Teilnehmerzahlen und einige weitere Details werden in den Text nachträglich eingefügt, sobald die Informationen vorliegen.

Schreibe einen Kommentar