2.700 Euro für den 20. Landesschützentag: Zoff und Rücktrittsdrohung im Borsdorfer Gemeinderat

Das Fazit vorweg: Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Die anwesenden Zuschauer (und die Gemeinderäte* sowieso) erlebten bei der vorösterlichen Sitzung des Borsdorfer Gemeinderates eine Debatte, bei der es ordentlich und gelegentlich auch mit mehr als Zimmerlautstärke zur Sache ging. In Bayern nennt man so etwas wohl “zünftig”. Immerhin blieb der Schlagabtausch verbal, obwohl es zwischendurch mehrfach krachte.

Stein des Anstoßes war ein Beschluss, bei dem es um die eher überschaubare Summe von 2.700 Eur0 ging. Mit dieser Summe, so die Beschlussvorlage, unterstützt die Gemeinde Borsdorf die Durchführung des 20. Sächsischen Landesschützentages am 21. April (Für alle, die sich in dieser Thematik nicht auskennen: Es handelt sich dabei weder um ein wildes Herumgeballere noch um eine Militariaschau oder ein Schützenfest, sondern um die Jahreshauptversammlung des Sächsischen Schützenbundes (SSB), an der Vertreter von Schützenvereinen aus ganz Sachsen sowie Politprominenz teilnehmen.).

Die in Panitzsch ansässige Leipziger Communalgarde e.V. und die Gemeinde Borsdorf hatten sich beim SSB um die Ausrichtung des Landesschützentages beworben und gegen andere Bewerber den Zuschlag erhalten. Per Beschluss hatte der Gemeinderat vor Jahresfrist für das Vorhaben grünes Licht gegeben. Gegenstand dieses Beschlusses war auch, dass die Gemeinde dem SSB die Halle zur kostenfreien Nutzung überlässt. Den größten Teil der Aufwendungen trägt der SSB selbst, die Communalgarde schießt für den Landesschützentag 1.500 Euro zu.

Seinen Widerstand gegen die Unterstützung des Landesschützentages begründete Gemeinderat Tobias Uhlmann (fraktionslos) mit den anfallenden Kosten. Denjenigen Gemeinderäten, die der Leipziger Communalgarde angehören, warf er Befangenheit vor, da diese einen Vorteil aus dem Zuschuss zögen. Bürgermeister Ludwig Martin wies diese Behauptung nachdrücklich zurück. Als Gemeinderat Dr. Matthias Schütze (Linke) den Beschluss per Geschäftsordnungsantrag zur neuerlichen Beratung von der Tagesordnung nehmen wollte, konterte Prof. Dr. Arne Rodloff (CDU) mit dem weiterführenden Antrag, den Landesschützentag ganz abzusagen. Bürgermeister Ludwig Martin stellte im Gegenzug klar, dass er sich nicht zum Hanswurst machen lasse und kündigte für diesen Fall seinen Rücktritt an.

Gemeinderätin Susanne Wolf (CDU) glättete die Wogen etwas, indem sie auf den hohen Werbeeffekt verwies, den der Landesschützentag für Borsdorf darstelle. Außerdem falle ein großer Teil der Kosten, die durch den Zuschuss der Gemeinde gedeckt werden, ohnehin an. So wurde z.B. der der Aufwand für die Miete von Bodenbelag, Bestuhlung, Tischen und Bühne hälftig auf den Landesschützentag und die am Abend des 21. April stattfindende Einweihung der Zweifelderhalle angerechnet.

Daraufhin wurde der Antrag auf Zurückstellung des Tagesordnungspunktes mit knapper Mehrheit abgelehnt und anschließend der Zuschuss für die Ausrichtung mehrheitlich beschlossen.    -ad

PS.: Eine Petitesse am Rande möchte der Autor der geneigten Leserschaft übrigens nicht vorenthalten. Als vor gar nicht so langer Zeit bei einem Fahrzeug der Borsdorfer Ortsfeuerwehr ein (runderneuerter) Reifen im Einsatz den Geist aufgab, wollten einige hier nicht näher benannte Personen diesen Schaden Gemeindeverwaltung und Bürgermeister anlasten. Dieses ländliche Possenspiel gipfelte, nicht zuletzt dank kräftiger “Schützenhilfe” durch Tobias Uhlmann, in der Anfertigung eines Gutachtens, das den Vorwurf entkräftete. Die aus der klammen Gemeindekasse zu tragenden Kosten für dieses letztlich unnötige Gutachten bewegten sich übrigens in ähnlicher Größenordnung wie der von Tobias Uhlmann abgelehnte Zuschuss. Einen dem Landesschützentag vergleichbaren Werbeeffekt für die Gemeinde hatte dieses Gutachten eher nicht.

Ein Postscriptum zum PS, also gewissermaßen ein PPS: Ortswehrleiter Jens Beckmann (Edithinweis: Schreibfehler korrigiert) bemängelte in einem Schriftwechsel mit dem Verfasser, dass das obenstehende PS sachlich falsch sei und forderte eine Richtigstellung. Das ging soweit, dass er ankündigte, sich an “die Presse” zu wenden (wer auch immer das sein mag) und “wieder einen Artikel zu veröffentlichen” (soso) Dazu nehme ich als Autor wie folgt Stellung: Wer das oben stehende PS gelesen und verstanden hat, wird erkennen, dass dort davon die Rede ist, dass es nach dem Reifenschaden eine Schuldzuweisung in Richtung  Gemeindeverwaltung bzw. Bürgermeister gab, die im Ergebnis des Gutachtens keinen Bestand hatte. Ferner habe ich darauf hingewiesen, dass die Kosten dieses Gutachtens sich in gleicher Größenordnung bewegten wie die Höhe des beschlossenen Zuschusses zum Landesschützentag. Daraus abzuleiten, dass mir dieser Zuschuss mehr wert sei als die Sicherheit usw. der FFW-Kameraden (wie in Facebook geschehen), halte ich für eine böswillige Unterstellung. Dass am Fahrzeug falsche Reifen aufgezogen waren, wurde im obenstehenden PS ebensowenig in Abrede gestellt wie die im Gutachten getroffenen Aussagen zur tatsächlichen Schuldfrage. Inwieweit ich an dieser Stelle als Autor hätte auf die Details der weiteren Abwicklung des Reifenschadens eingehen oder die rechnerische Richtigkeit des Gutachtens prüfen müssen, vermag ich nicht nachzuvollziehen, da dies den Rahmen des obenstehenden PS gesprengt hätte.   André Dreilich

*Der Verfasser dieses Textes (-ad) ist als André Dreilich Mitglied des Gemeinderates und hat für die Unterstützung gestimmt.

Schreibe einen Kommentar